Analyse / Handlung / Quellen
In der Grundversicherung hat jedes Familienmitglied eine eigene Police. Kasse, Franchise, Modell und Unfalldeckung können deshalb pro Person gewählt werden. Ob eine Änderung Geld spart, zeigt nur ein Vergleich mit den persönlichen Tarifdaten und den erwarteten gedeckten Gesundheitskosten.
Franchise und Kostenbeteiligung bei Kindern
Für Kinder bis 18 Jahre beträgt die ordentliche Franchise CHF 0. Versicherer können zusätzlich Wahlfranchisen von CHF 100, 200, 300, 400, 500 oder 600 anbieten; sie müssen aber nicht jede Stufe führen.
Oberhalb der Franchise gilt grundsätzlich ein Selbstbehalt von 10 Prozent bis höchstens CHF 350 pro Kalenderjahr. Für bestimmte Medikamente kann ein erhöhter Selbstbehalt gelten. Kinder bis 18 Jahre bezahlen keinen täglichen Spitalbeitrag.
Quellen: BAG – Wahlfranchisen und BAG – Kostenbeteiligung.
Eine höhere Franchise ist nicht automatisch günstiger. Vergleiche den tatsächlichen jährlichen Prämienrabatt mit der zusätzlichen Kostenbeteiligung, die bei Behandlungen entstehen kann.
Junge Erwachsene von 19 bis 25 Jahren
Junge Erwachsene bilden eine eigene Prämienkategorie. Versicherer können ihnen tiefere Prämien und andere Franchiserabatte als Erwachsenen ab 26 Jahren anbieten. Die möglichen Franchisestufen entsprechen jenen der Erwachsenen von CHF 300 bis CHF 2’500; nicht jede Kasse muss alle Stufen anbieten.
Auch hier folgt die passende Franchise nicht allein aus Alter oder Gesundheitszustand. Entscheidend sind die persönliche Prämie, erwartete gedeckte Kosten und die finanzielle Reserve für Franchise und Selbstbehalt.
Jedes Familienmitglied separat vergleichen
Familienmitglieder müssen weder bei derselben Kasse versichert sein noch dasselbe Modell oder dieselbe Franchise wählen. Der gesetzliche Leistungskatalog der Grundversicherung ist bei allen Kassen gleich. Unterschiede bestehen unter anderem bei Prämie, Modellregeln, Service und Rechnungsabwicklung.
Vergleiche für jede Person mit denselben Eingaben:
- Wohnsitzgemeinde und Geburtsjahr
- Franchise
- Standard-, Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell
- Unfalldeckung
- Bedingungen und verfügbare Anlaufstellen des Modells
Verwende dafür unseren Prämienvergleich oder den offiziellen Priminfo-Prämienrechner.
Franchise individuell berechnen
Eine hohe Franchise senkt die Prämie, erhöht aber den Betrag, den du bei Behandlungen selbst tragen musst. Eine tiefe Franchise erhöht die Prämie, begrenzt dafür die zusätzliche Kostenbeteiligung früher. Prüfe deshalb pro Person:
- den jährlichen Prämienunterschied zwischen den Franchisen
- die erwarteten gedeckten Gesundheitskosten
- die maximal tragbare Kostenbeteiligung
- mögliche Ausnahmen, etwa einen erhöhten Selbstbehalt bei bestimmten Medikamenten
Unser Franchise-Rechner unterstützt die Berechnung. Die offiziellen Höchstrabatte erklärt das BAG.
Prämienverbilligung prüfen
Ob eine Familie Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung hat, bestimmt der Wohnkanton. Für anspruchsberechtigte Familien mit unteren und mittleren Einkommen müssen die Kantone die Prämien der Kinder um mindestens 80 Prozent und jene junger Erwachsener in Ausbildung um mindestens 50 Prozent verbilligen.
Verfahren und Fristen unterscheiden sich: Einige Kantone prüfen Ansprüche aufgrund vorhandener Daten, andere verlangen eine Anmeldung oder einen Antrag. Prüfe deshalb die auf Priminfo genannte Stelle deines Kantons, statt pauschal von einem Antrag oder einer automatischen Auszahlung auszugehen.
Mehr dazu: Ratgeber zur Prämienverbilligung und BAG – Prämienverbilligung.
Unfalldeckung pro Person prüfen
Wer mindestens acht Stunden pro Woche bei einem Arbeitgeber in der Schweiz arbeitet, ist über diesen Arbeitgeber auch gegen Nichtberufsunfälle nach UVG versichert. Diese Person kann die Unfalldeckung der Grundversicherung auf Antrag und mit Nachweis sistieren lassen. Die Kasse reduziert die Prämie entsprechend.
Das wird für jede Person einzeln geprüft. Wer nicht oder weniger als acht Stunden pro Woche bei einem Arbeitgeber beschäftigt ist und deshalb keine volle UVG-Deckung hat, muss die Unfalldeckung in der Grundversicherung behalten.
Quelle: BAG – Sistierung der Unfalldeckung.
Checkliste für Familien
- Tarife für jedes Familienmitglied separat verglichen
- Franchise anhand von Prämie und möglicher Kostenbeteiligung berechnet
- Regeln und Anlaufstellen des Modells geprüft
- Unfalldeckung pro Person geprüft
- Kantonales Verfahren zur Prämienverbilligung geprüft
- Zusatzversicherungen separat betrachtet
Fazit
Eine Familienlösung ist nicht automatisch günstiger, nur weil alle bei derselben Kasse oder im selben Modell sind. Vergleiche jede Person mit identischen Tarifmerkmalen und berücksichtige neben der Prämie auch Kostenbeteiligung, Modellregeln und administrativen Aufwand.